01. Dezember 2023

Rückschritt als Chance

Wir alle erinnern uns an die Momente, in denen wir bewusst den Schritt zur Veränderung gewagt haben – sei es im privaten oder beruflichen Bereich. Diese Schritte prägen uns und können zu erstaunlichen Wendepunkten führen.

Als ich meine Ausbildung zur Bankkauffrau beendete, ging es beruflich sieben Jahre lang stetig aufwärts. Doch dann musste ich die Notbremse ziehen. Das tägliche Aufstehen wurde zur Qual, und die Begeisterung für meinen Job im Vertrieb schwand. die Tätigkeit passte nicht (mehr) zu mir. Ich wusste, dass ich etwas ändern musste.

Nach einem offenen Gespräch mit meiner Führungskraft suchten wir nach Alternativen. Meine Bewerbungen auf offene Stellen blieben erfolglos – zum Glück! Die einzigen kurzfristigen Optionen bedeuteten weniger Gehalt und geringere Qualifikationsanforderungen. Frustriert und voller Zweifel. Aufgrund des starken Leidensdruck, nahm ich letztendlich eine dieser Optionen an.

Rückblickend war das die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Die Arbeit im Callcenter bereitete mir Freude, das Arbeitsklima war großartig, und ich konnte endlich zur Ruhe kommen (auch wenn diese Tätigkeit auf andere Weise herausfordernd war). Allerdings wusste ich, dass dies nur eine Zwischenstation war. Nach vier Monaten begann ich, nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten.

An dem Tag, als ich mich auf Bewerbungsfotos vorbereitete, bekam ich ein Stellenangebot als Referentin eines Fachbereichs. Auch wenn ich mir unter der Beschreibung nicht viel vorstellen konnte, sah ich es als Chance und bewarb mich – schließlich hatte ich nichts zu verlieren. Ich bekam den Job, und er passte perfekt zu mir.  Dort entdeckte ich meine wahren Fähigkeiten und Stärken, erkannte, was mir Freude bereitete und mich motivierte. Montage und Überstunden waren kein Problem mehr und ich sehnte Freitage und Urlaube nicht mehr dabei.

 

Meine wichtigsten Erkenntnisse:

 

  • Rechtzeitig die Notbremse ziehen, wenn die (mentale) Gesundheit leidet.
  • Wohlbefinden steht über Gehalt und „Ansehen”.
  • Zufriedenheit und Erfüllung im Job haben enorme Auswirkungen auf Leistung und Motivation.
  • Einblick der vorherigen Tätigkeit führte zu einem besseren Verständnis, welches mir auf späteren Positionen diente.
  • Begegnungen mit neuen Kolleginnen und Kollegen, aus denen Freundschaften wurden.
  • Neue Sichtweise bzgl. Veränderungen und Absagen.

Ein vermeintlicher Rückschritt kann der Weg zu etwas Besserem sein. Absagen sind nicht zwangsläufig negativ. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Mut und das Loslassen alter Kompromisse zu positiven Veränderungen führen, selbst wenn es anfangs nicht offensichtlich ist.

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